Seit Jahrhunderten werden Menschen in unterschiedlicher Art und Weise authentisiert. Das Thema Biometrie ist deshalb weder neu, noch revolutionär noch futuristisch.
3.000 v. Chr.
In Nordamerika, am Kejimkoojik-See, fand man im Gebiet der Micmac-Indianer Steinzeichnungen die etwa auf Zu datieren sind. Diese Petroglyphen sind Zeichnungen von Handflächen mit vereinfacht dargestellten Papillarlinienmustern in den Fingerkuppen sowie Abbildungen von Linien und Handflächen.
2200 v. Chr.
Die Assyrer und Babylonier versahen ihre Tontafeln, die als Urkunden dienten, außer mit dem Namen des Schreibers zusätzlich mit einem Fingernagelabdruck, einem Supurs. Bei diesen Spuren kamen auch die Papillarleisten der Fingerspitzen mit zum Abdruck. Sie waren dadurch geeignet, den Urkundenaussteller zu identifizieren.
100 n. Chr.
Auf Urkunden aus der Han Dynastie wurden Fingerabdrücke als Unterschrift gefunden.
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| Abb. Tonsiegel aus der Han Dynastie |
618-906 n. Chr.
In der Tang-Dynastie wurden die ersten Fingerabdrücke verwendet, um Verträge zu authentifizieren. Zur Zeit der Pharaonen wurde die Körpergröße einer Person zum Nachweis seiner Berechtigung verwendet.
ca. 1160 n. Chr.
Der chinesische Schriftsteller Shi nai-ngan veröffentlichte einen 40-bändigen Abenteuer- und Kriminalroman mit dem Titel "Die Geschichte des Flussufers". In einem dieser Bände beschreibt er den Identifizierungswert der Fingerabdrücke, die zu dieser Zeit schon im Strafprozess anerkannt gewesen sein müssen. Der Autor schreibt im Zusammenhang mit der Festnahme zweier Mörderinnen: "rief die beiden Weiber zu sich heran und ließ sie ihre Finger einschwärzen und abdrücken".
1686 n. Chr.
Marcellus Malphigius, ein Arzt aus Bologna, veröffentlicht als erster Europäer eine Schrift zum Thema Furchen und Muster der Handflächen mit dem Titel: "Über das äußere Gefühlsorgan".
1747 n. Chr.
Eine medizinische Abhandlung über "verschiedenspiralige" Linien, die die Haut der Hand und des Fußes durchfurchen, veröffentlichte Christian Jacob Hintze.
1823 n. Chr.
Der tschechische Professor der Physiologie und Pathologie Johann Evangelista Purkinje war der Erste, der versuchte, die verschiedenen Papillarlinienmuster zu klassifizieren. In Breslau stellte er im neun Grundmustertypen auf und schuf damit die Basis der heutigen Klassifiziermethode. Purkinje fertigte Zeichnungen der einzelnen Papillarmuster, hatte also noch kein Interesse an einer Fingerabdrucknahme.
1841 n. Chr.
Christoph Bernoulli benutzt als einer der ersten Wissenschaftler den Begriff Biometrie in einer sehr wörtlichen Interpretation für die Messung und statistische Auswertung der menschlichen Lebensdauer.
1856 n. Chr.
Der deutsche Anthropologe Hermann Welker erforscht die Einzigartigkeit der Haut und hier insbesondere die Papillarleisten der Finger. In einem Eigenversuch entdeckte er, dass jeder Mensch über unveränderliche Hautmuster an der Hand verfügt. Welker fertigte Abdrücke seiner eingefärbten Hände. 41 Jahre später wiederholte er die Prozedur und stellte fest, dass das Papillarlinienbild seiner Hand, bis auf altersbedingte Veränderungen gleich geblieben war. Welker erbrachte so den empirischen Beweis der Unveränderlichkeit. An eine kriminalistische Verwertung dachte er indes auch noch nicht.
1858 n. Chr.
Der englische Chief Officer William J. Herschel in Indien versuchte, die Fingerabdrücke für polizeiliche Zwecke zu nutzen. Zunächst, um Identitätsschwindeleien bei der Auszahlung von Pensionen zu verhüten. Jeder pensionsberechtigte Inder wurde daktyloskopiert und sein Abdruck amtlich registriert. Bei jeder Pensionsauszahlung musste der Empfänger mit Fingerabdruck quittieren, um die Identität zu beweisen. Später führte Herschel dieses Abdruckverfahren auch im Gefängnis seines Distriktes ein. Er sammelte über Jahre Tausende von Fingerabdrücken. 1860 nahm Herschel auch Abdrücke seines Zeige- und Mittelfingers und kontrollierte diese 1888, also 28 Jahre später. Anhand des gesammelten Materials erbrachte er den wissenschaftlichen Nachweis, dass Papillarleistenbilder im Laufe eines Menschenlebens unverändert bleiben. Sein Vorschlag zur offiziellen Einführung der Daktyloskopie in Bengalen/Indien wurde 1877 trotzdem abgelehnt.
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| Abb. Sir Wiliam Herschel (1833-1918) |
1874 n. Chr.
In Paris wird ein Fotoatelier eingerichtet, um eine Sammlung von Verbrecherporträts anzulegen. Rückfällige, die ihren wahren Namen verschwiegen, sollten so wieder erkannt werden. Es stellte sich jedoch als Problem heraus, in der schnell angewachsenen Sammlung das zu finden, was man suchte. Genau dieses Problem ist bei allen Identifizierungen mittels biometrischer Merkmale anzutreffen. In einer großen Datenmenge werden die Daten gesucht, die mit einem Muster übereinstimmen. Um die Suche praktikabel zu organisieren, ist eine Klassifizierung der Daten erforderlich. Sie ermöglicht die Suche auf eine möglichst kleine Teilmenge der gespeicherten Daten zu reduzieren, ohne dass dies zu Fehlern bei der Suche führt.
1879 n. Chr.
Alfons Bertillon schlägt vor, die Sammlung nach Körpermaßen (Länge und Breite des Kopfes, Länge des linken Fußes, Längen verschiedener Finger etc.) der fotografierten Personen zu ordnen. Später empfahl er, auf die kostspielige Fotografie ganz zu verzichten. Übrig blieb die Anthropometrie.
1885 n. Chr.
Alphonse Bertillon publiziert, die Farbe der Iris als Erkennungsmerkmal des Menschen zu nutzen.
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| Abb. Alphonse Bertillon (1853-1914) |
1888 n. Chr.
Sir Francis Galton - Statistiker und Cousin von Darwin - wird von der britischen Kolonialregierung Indiens aufgefordert, ein in der Praxis unkompliziert zu verwendendes Personenerkennungssystem zu entwickeln. Er legte 1892 den wissenschaftlichen Grundstein für die Nutzung des Fingerabdrucks (Daktyloskopie), indem er herausfand, dass der Fingerabdruck einzigartig für jedes Individuum ist und sich prinzipiell während des ganzen Lebens nicht ändert.
1897 n. Chr.
Die ersten Straftäter werden durch New Scotland Yard mittels Fingerabdrucks identifiziert.
1914 n. Chr.
Auf dem internationalen Polizeikongress wird die Daktyloskopie als internationales Verbrecherregistrierverfahren vorgeschlagen und europaweit eingeführt. Eine Automatisierung der Daktyloskopie erfolgte hingegen erst später.
1936 n. Chr.
Der Augenarzt Frank Burch schlägt vor, Muster der Iris als Erkennungsmerkmal zu nutzen.
1952 n. Chr.
Der deutsche Bundesgerichtshof erkennt den Beweiswert der Daktyloskopie im Strafverfahren uneingeschränkt an.
1960 n. Chr.
In den sechziger Jahren begannen Arbeiten an der automatisierten Fingerabdruckerkennung auch im nicht-forensischen Bereich für Hochsicherheitssysteme.
1964 n. Chr.
Eine der ersten Auseinandersetzungen mit automatischer Gesichtserkennung ist auf W.W. Bledsoe zurückzuführen. Er setzte sich mit diesem Thema in einem Aufsatz auseinander, allerdings kam es noch nicht zu einer praktischen Entwicklung seiner Ideen.
1970 n. Chr.
Ein rudimentäres System zur Gesichtserkennung wird auf der Weltausstellung in Osaka, Japan, von Takeo Kanade demonstriert und vorgestellt.
1983 n.Chr.
Eine erste Erwähnung der Iriserkennung findet sich 1983 im James Bond Film „Sag niemals nie“. Dort wird eine Hornhauttransplantation durchgeführt um dann per Scanning des Auges Zutritt zu streng geheimen Orten zu bekommen. Das hier vorgestellte Verfahren lässt sich zum ersten Mal als Iriserkennung interpretieren. Mitte der achtziger Jahre wurden dann Verfahren zur Erkennung von Retina und Iris entwickelt.
1992 n. Chr.
Der entgültige Siegeszug biometrischen Verfahren und Anwendungen beginnt mit der Gründung des "Biometric Consortium" in den USA.
1994 n. Chr.
Der erste einsatzfähige biometrische Algorithmus wurde Anfang der neunziger von John Daugman entwickelt und 1994 patentiert. Die Idee dazu erhielt er 1989 von den zwei Augenärzten Aran Safir und Leonard Flom.
1995 n. Chr.
Auf der Grundlage neuronaler Netze werden biometrische Systeme angewendet.
1994-1996 n. Chr.
Der erste Wettbewerb von Gesichtserkennungsverfahren wird vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium von 1994-1996, ausgeschrieben und veranstaltet. Zunächst testete das US-amerikanische „Department of Defense“ (DoD ) in Face Recognition Technology Program“ (FERET) die noch sehr jungen Gesichtserkennungssysteme. Das Programm wurde 2000, erweitert und es folgten Tests unter dem Namen „ Facial Recognition Vendor FRVT). Auch dieses Verfahren wurde in den folgenden Jahren verbessert. Darauf hin entstand die erste Kommerzialisierungswelle biometrischer Systeme, an die sich die Entwicklung des Marktwettbewerbs entsprechender Produkte anschloss.
2005 n. Chr.
Reisende können am Frankfurter Flughafen eine biometrische Flugkontrolle passieren.





